Geschäft mit dem Wasser

Das Geschäft mit Wasser – wenn Konzerne nur noch Dollarnoten sehen

Auf Antrag Boliviens erklärte die UN-Vollversammlung am 28. Juli 2010 mit den Stimmen von 122 Ländern und ohne Gegenstimme den Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung zu Menschenrechten.

Die Realität sieht leider anders aus. So haben allein in den 27 EU-Staaten zwei Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung. Weltweit sind über zwei Milliarden Menschen betroffen (Stand: 2013). Privatisierung und Liberalisierung bei der Wasserversorgung fördern die Gewinnmaximierung großer Unternehmen. Investitionen in die Wassernetze und in den Erhalt bzw. Verbesserung der Wasserqualität finden nur unzureichend statt.

Wasser und Abwasserwirtschaft gehören daher als Kernthema der Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand. Eine geplante Richtlinie der Europäischen Union, die eine zunehmende Privatisierung der Wasserversorgung zur Folge gehabt hätte, konnte durch Proteste von 1,5 Millionen Menschen in sieben EU Ländern verhindert werden. Wie läuft das weltweite Geschäft mit Wasser?  Ist Wasser mittlerweile  nur  noch ein Lebensmittel  für die, die es sich leisten können? Was passiert bei Privatisierung von Wasser? Wie kommen Firmen in den Besitz der besten Trinkwasserquellen der Welt?

Wenn wir mal über den Tellerrand Europa – ja selbst nach Europa schauen, werden wir feststellen, wie hart umkämpft diese Ressource ist. Mit dem TTIP könnte es bei uns noch stärkerlosgehen mit der Privatisierung von Wasser. Aber Wasser ist ein lebensnotwendiges Lebensmittel, weil es der wichtige Baustein aller lebenden Organismen ist. Ohne Wasser ist Leben auf dieser Erde nicht möglich. Darum muss gewährleistet sein, dass JEDEM ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Wer hier wegsieht und das Thema ad absurdum führt, hat die Gefahr nicht erkannt, oder ist bereit, über Leichen zu gehen.

Es werden hier 3 Dokumentationen vorgestellt, die sich mit der Knappheit von qualitativ sauberen Wasser und dem profitablen Geschäft mit Wasser beschäftigen.

Nestle – Das dreckige Geschäft mit dem Wasser der 3. Welt [Dokumentation]

Nestle – Bottled Life – Das beste Marketing der Welt: Nestlé macht aus Leitungswasser ein Lifestyleprodukt. Der Dokumentarfilm “Bottled Life” zeigt, wie der Konzern agiert, wenn man ihn lässt.
Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, ist die Privatisierung, der weltweit wichtigsten Ressource Wasser, Tür und Tor geöffnet worden und längst bemächtigen sich Wirtschaftsunternehmen, der immer knapper werdenden Ressource Wasser. Das Geschäft mit dem Wasser ist in vollem Gange.

Filmemacher Gehringer ist für “Bottled Life” um die Welt gereist, als Reporter ist er immer wieder selbst im Bild zu sehen. Er besucht ein Flüchtlingscamp in Äthiopien, in dem Nestlé sich angeblich in der Wasserversorgung engagiert. Zumindest wird das auf der Homepage des Unternehmens so kommuniziert. Vor Ort stellt Gehringer fest, dass das Engagement schon seit einigen Jahren beendet ist. In einem Dorf in Pakistan trifft er auf Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

mehr hier: http://greenfairplanet.net

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http://youtu.be/omF6BEkg5f8

Sorina lebt mit ihren 6 Kindern in einem Slum in Manila. Die Cholera haben sie nur knapp überlebt. Das verschmutzte Leitungswasser hatte sie infiziert. Mineralwasser in Flaschen kann sich Sorina nicht leisten.

Manila, die Metropole der Philippinen, hat die staatliche Wasserversorgung privatisiert und internationale Konzerne übernahmen das Wassergeschäft. Sie versprachen sauberes, billiges Wasser und neue Anschlüsse — doch stattdessen explodierten die Preise und die Qualität sank.

Nach UNO-Angaben mangelt es weltweit mehr als 1,1 Milliarden Menschen an sauberem Wasser, was zu mehr als drei Millionen Todesfällen im Jahr führt. Dieses Wasserchaos droht in Deutschland nicht. Aber auch hier verkaufen immer mehr Kommunen ihr Wasser an große private Wasserversorger. Zum Beispiel Berlin, das sich für 1,7 Milliarden Euro die Hälfte seiner Wasserversorgung von den „global player“ RWE und Veolia abkaufen ließ. Seit 2004 müssen die Berliner 15 Prozent mehr Gebühren zahlen, in diesem Jahr kommen noch mal 5,4 Prozent dazu, denn RWE/Veolia wurde für 29 Jahre eine Rendite von 8 Prozent pro Jahr garantiert.

Auch in Buenos Aires hat die Privatisierung zu exorbitant steigenden Preisen geführt, genauso wie in Teilen Uruguays. Zwar ist dort in der Verfassung festgeschrieben, dass Trink- und Abwassersysteme ausschließlich öffentlich betrieben werden dürfen, doch Präsident Tabaré Vázquez sieht keinen Anlass, den europäischen Wasserkonsortien Aguas de la Costa ( = Suez aus Frankreich) zu kündigen. Seitdem die Wasserversorgung des Küstenstreifens nördlich von der Touristenhochburg Punta del Este privatisiert wurde, stieg der Preis auf das 7 bis 16-fache des uruguayischen Durchschnitts und kostenlose Wasserstellen wurden abgeschafft.

Dass vor allem die Franzosen eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der privaten Wasserversorgung innehaben, ist kein Zufall: Acht von zehn Franzosen beziehen ihr Wasser von einem privaten Anbieter. Auch in Frankreich ist das nicht unumstritten, denn nur drei Konzerne machen den größten Teil des Geschäftes. Ihr Vorgehen ist oft dubios: mangelnde Transparenz der Vertragsinhalte, saftige Preiserhöhungen und Monopolpraktiken.Die Gemeinden sind nicht in der Lage, die von den Privatunternehmen erstellten Rechnungen auf sachliche Richtigkeit zu prüfen. Solche Missstände, die seit Jahren durch öffentliche Untersuchungen aufgedeckt wurden, zeigen zweifellos eine Form der strukturellen Korruption.

Deswegen wächst in vielen Städten der Widerstand gegen den Ausverkauf des guten Wassers. Wasser ist zum Top-Thema der Globalisierungsdiskussion geworden. Trinkwasser muss in öffentlicher Kontrolle bleiben, fordern die Privatisierungsgegner. Wasserleitungen sind immer nur Einmal vorhanden, echte Marktwirtschaft könne es nicht geben, so die Kritiker. Deswegen sei hier die Monopolisierung vorprogrammiert. „Wasser ist Lebensgrundlage und nicht fürs Globalisierungmonopoly“.

Doch Multis wie Nestlé oder Danone haben es längst geschafft, Europäer und Amerikaner „an die Flasche“ zu bringen. Mineralwasser ist ein Boomprodukt. Statt billigeres Wasser aus dem Hahn trinken wir Deutschen allein mehr als 120 Liter Evian, Vittel oder etwa Gerolsteiner pro Jahr und bezahlen gerne das Hundertfache dafür. Flaschenwasser verspricht Jugend, Fitness und ist ein Produkt mit lukrativer Gewinnspanne, vor allem in den Schwellenländern, wo die Wasserversorgung den Menschen kein trinkbares Wasser zu liefern vermag.

Die Dokumentation beleuchtet das Wasser-Geschäft, fragt nach den Akteuren, den Interessen und den Folgen für die Kunden. Wenn es nach der Welthandelsorganisation ginge, dann würde der Wassermarkt komplett liberalisiert und Wasser wäre eine Ware, vermarktet wie Computer oder Schokoriegel. Ein Film von Tilman Achtnich.

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Water Makes Money – deutsch

http://youtu.be/Ja9fwcmiPA0

Die französischen Konzerne Veolia und Suez zählen zu den Großen im wachsenden Weltmarkt der privaten Wasserversorgung. Sie sind auf allen fünf Kontinenten präsent und kaum eine Woche vergeht ohne Neuerwerbungen. Doch ausgerechnet im Heimatland Frankreich haben sie schnell wieder an Boden verloren. Anfang 2010 mussten beide Konzerne an ihrem Hauptsitz Paris die Wasserversorgung an die Stadt zurückgeben.

Private Konzerne versorgen rund 80 Prozent der französischen Bevölkerung mit Trinkwasser. Doch im ganzen Land schwindet das Vertrauen in ihre Seriosität, denn die Wahrheit über das Gebaren der Konzerne drängt an die Oberfläche: Wasserzähler werden dem Kunden faktisch doppelt berechnet, der Austausch von Bleileitungen erfolgt nur teilweise, dringende Reparaturen werden dem Verbraucher als Neuanschaffung in Rechnung gestellt.

Inzwischen liegen die Wasserpreise bei privaten Betreibern in Frankreich um 20 bis 60 Prozent höher als bei öffentlichen Versorgern. Skandalös sind auch die üblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen:

Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, um Wasser zu liefern oder Abwasser zu entsorgen. Diese 200 oder 300 Millionen Euro oder mehr gelten als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Doch die Zahlung der Konzerne entpuppt sich dann als Kredit, der von den Wasserkunden über 20 oder 30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher Höhe zurückgezahlt werden muss.
Beispiele in Frankreich und Braunschweig machen ein System sichtbar, das den Wasserkonzernen erlaubt, ihren globalen Expansionskurs zu finanzieren – ein System, das inzwischen viele Franzosen motiviert, die Rückkehr zur kommunalen Wasserversorgung anzustreben.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass in Frankreich die Ressource Wasser mittlerweile in einem bedenklichen Zustand ist. Dabei liegt die Lösung nah und ist absolut kostengünstig: die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, auf denen nur Biolandwirtschaft erlaubt ist (Wie zum Beispiel im Münchner Umland). Nur die Multis verdienen daran nichts. Zusätzlich würde ein sinkender Wasserverbrauch die Rendite der Konzerne schmälern.

Aber in Frankreich wächst zusehends das Bewusstsein, die Melkkuh der Konzerne für ihre globalen Expansionspläne zu sein, und es baut sich eine Rekommunalisierungswelle auf. Und auch in anderen europäischen Ländern sowie in Lateinamerika, Afrika und den USA kommt es immer häufiger zur Rückkehr der Wasserversorgung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger.

 

 

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3 Antworten

  1. kathrin sagt:

    Hallo – hier ein TV Beitrag der euch interessieren könnte:
    22.09.2014 auf 3sat | 22:25 – 23:15 | Dokumentation – Thema: Konfliktquelle Wasser

    Während die Weltbevölkerung rasant wächst, wird sauberes Wasser immer mehr zur Mangelware. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé besitzt weltweit über 70 verschiedene Wassermarken. Zu den bekanntesten gehören Perrier, San Pellegrino und Vittel, in der Schweiz auch Henniez. Allein mit abgepacktem Wasser setzt Nestlé jährlich rund zehn Milliarden Franken (etwa 8,2 Milliarden Euro) um. Trotzdem ist Wasser eine Sparte, über die man bei Nestlé nicht gerne spricht.

  2. kathrin sagt:

    Nigeria und das Geschäft mit Wasser –Reportage vom Deutschlandfunk

    Internationale Konzerne profitieren von Korruption

    Von Anne Allmeling

    In Nigeria haben viele Menschen schlechte Erfahrungen mit der öffentlichen Wasserversorgung gemacht. Das Problem sind dreckige Leitungen und rostende Rohre. Die Menschen kaufen lieber Tafelwasser. Großkonzerne machen deswegen mit Wasser in Flaschen seit Jahren gute Geschäfte.

    Noch in den 80er-Jahren war es selbstverständlich, dass die Wasserversorgung in öffentlicher Verantwortung lag. Das neoliberale Credo in den 90er-Jahren aber hieß dann: Rendite für die Privatwirtschaft statt Gemeinwohl für die Armen. In vielen Metropolen des Südens wurde Wasser zur Ware, von Argentinien bis Indonesien, von den Philippinen bis Uganda.

    Ergebnis: Weder sanken, wie versprochen die Preise, noch wurden die Armen erreicht.

    mehr: http://www.deutschlandfunk.de/nigeria-und-das-geschaeft-mit-wasser.799.de.html?dram:article_id=260789

  3. kathrin sagt:

    Was kann man denn nun dagegen tun?
    Die „Aktion Deutschland hilft“ hat sich dazu Gedanken gemacht – schaut mal vorbei.

    Wasser – Ware oder Menschenrecht
    http://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/wasser/wasser-ware-oder-menschenrecht/

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