Reisanbau nach der SRI-Methode am Beispiel Indien

Starke Wurzeln, bessere Erträge – Eine alternative Methode mit dem Namen Wurzel-Intensivierung. Diese könnte in Sri Lanka – aber auch in anderen Agrarländern, wo nicht mit schwerem Gerät gearbeitet werden kann langfristig helfen sich besser zu versorgen und ist zudem Wasser einsparend, was gerade für Länder mit Wasserknapheit extrem wichtig ist.

http://youtu.be/L-nc0-KAaws

Die Anbaumethode nach dem “System of Rice (oder Root) Intensification”, abgekürzt SRI, wurde 1983 von dem Jesuitenmönch Henri de Laulanie erstmals beschrieben. Der französische Agraringenieur beobachtete, wie Bauern im Hochland von Madagaskar erfolgreich Reis anbauten. Norman Uphoff, Leiter des International Institut for Food, Agriculture and Development der amerikanischen Cornell-Universität, half, die Methode zu etablieren und zu verbreiten. Bei der SRI-Methode pflanzt der Bauer weniger Reis- oder Getreidepflanzen und diese in größerem Abstand zueinander. Er verwendet deutlich weniger Wasser als bisher üblich und ausschließlich organischen Dünger. Der Erfolg soll darauf beruhen, dass der Boden so besser atmen kann und die Wurzeln mehr Luft bekommen.

Am Beispiel Indien, im Dorf Darveshpura, welches oberhalb eines Flusses, eingebettet in ein riesiges Mosaik aus winzigen Äckern liegt wird verdeutlicht, wie diese ökologische Methode Kleinbauern hilft bessere Erträge zu erwitschaften. Im Sommer wird hier Reis angebaut, im Winter Weizen. Zudem wachsen Kartoffeln und im Frühjahr Melonen sowie Bohnen und anderes Gemüse. Drei Ernten im Jahr – Davon können deutsche Bauern nur träumen. Tatsächlich leben ein paar Großgrundbesitzer gut davon. Die meisten Einwohner haben aber keine eigenen Felder oder so kleine, dass sie von deren Ertrag gerade so über die Runden kommen – wenn überhaupt.

Nitish Kumar, ein Bauer in Darveshpura hat das System der sogenannten Wurzel-Intensivierung nach der sogenannten SRI-Methode angewendet. Für dieses System braucht er kein Hybrid-Saatgut zu kaufen, sondern nimmt Körner, die vom letzten Jahr übriggeblieben sind. Die Samen werden zunächst in eine Schale voller Wasser gekippt, um sie auf ihre Keimfähigkeit hin zu prüfen. Nur Reiskörner, die bis zum nächsten Tag untergegangen sind, keimen noch, alles was oben schwimmt, ist unbrauchbar.

Sorgfalt

Ein Saatbett ist ungefähr so groß wie zwei Badetücher. Gemäß dem System der Wurzel-Intensivierung wird nun die Erde des Saatbetts gut gewässert, dann versenkt der Bauer die Saatkörnchen vorsichtig in weiten Abständen im Schlamm. Normalerweise braucht der Bauer für ein Feld 50 Kilogramm Samen, nach dem System der Wurzelintensivierung nimmt er nur acht Kilo. Das Saatbett wird dann mit etwas Stroh abgedeckt, das die Saat schützt. Alle zwei Tage wird darauf Wasser gesprüht. Nach ein paar Tagen spitzen zartgrün die ersten Keimlinge heraus, Zeit, das Stroh wieder herauszuklauben, damit die einzelnen Pflanzen mehr Sonnenlicht abbekommen.

Unterdessen pflügt Nitish Kumar sein Feld dreimal, und zwar gründlich, denn dorthin werden die jungen Reisschösslinge umgepflanzt. Damit der Reis gut wächst, düngt der Bauer das Feld gemäß dem System der Wurzel-Intensivierung vorher mit Kuhmist. Die etwa fingerlangen Reisschösslinge werden schon nach gut einer Woche dorthin umgepflanzt, und zwar mitsamt der Erde um die Wurzel. Auch müssen die empfindlichen Pflänzchen innerhalb weniger Minuten wieder eingepflanzt sein.

Krishna Singh, Agrarwissenschaftler vom indischen Landwirtschaftsrat sagt: “Wir haben einen substanziellen Anstieg der Erntemenge nachweisen können. Zwar nicht in den Ausmaßen der Weltrekordernte, aber wenn sonst die Erntemengen in unserem Bundesland bei 2,5 bis 2,6 Tonnen Reis pro Hektar liegen, dann erreichen sie mit dem System der Wurzel-Intensivierung regelmäßig 8,6 bis 10,5 Tonnen pro Hektar. Das ist weit mehr als dreimal so viel wie üblich. Wenn das flächendeckend erreicht würde, könnte sich unser Bundesstaat selbst mit Reis versorgen.”

Mehr Platz und mehr Licht für die Pflanzen

Im herkömmlichen Anbausystem stecken die Bauern immer drei, vier Pflänzchen auf einmal an eine Stelle. Nach dem System der Wurzel-Intensivierung wird nur ein einziges gepflanzt, entlang einer Pflanzschnur genau im Abstand von 25 mal 25 Zentimetern. So hat jede einzelne Pflanze viel Platz, um besonders starke Wurzeln zu entwickeln. Die Abstände machen auch das Hacken leichter, denn beim System der Wurzel-Intensivierung wird nicht gespritzt. Was dazwischen wächst und dem Reis das Licht und die Nährstoffe nehmen würde, wird mit der Cono-Hacke beseitigt. Ihre gezackten Rädchen kappen die Wurzeln der unerwünschten Kräuter und mulchen sie unter, zusätzlich ritzen die scharfen Rädchen der Cono-Hacke den Boden auf und lockern ihn.

Weniger Saatgut, weniger Spritzmittel, weniger Wasser

Herkömmlich bebaute Reisfelder stehen meistens komplett unter Wasser. Wer sein Feld nach dem System der Wurzel-Intensivierung bebaut, flutet es, lässt das Wasser dann aber ablaufen, so dass der Boden nur feucht ist; geflutet wird erst wieder bei Bedarf.

Artikel gefunden bei Radio Bayern 2  – zum nachhören: hier

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