Schulsystem

Im vorkolonialen Sri Lanka ging die traditionelle Gelehrsamkeit hauptsächlich von den buddhistischen Tempeln aus. Fächer wie einheimische Heilkunde, Sprachen, Philosophien, Astrologie usw. hat man sehr oft in der Klosterschule bei den Mönchen gelernt, während die handwerklichen Berufe natürlich in der Familie weitergegeben wurden. Als das staatliche Schulsystem in Sri Lanka von den Briten eingeführt wurde, verloren die Klosterschulen ihre Monopolstellung im Erziehungssystem weitgehend. Neben den staatlichen Schulen gab es auch Schulen, die von christlichen Missionaren geleitet wurden. Von den staatlichen und den Missions-Schulen haben hauptsächlich die zum Christentum Konvertierten profitiert - sowohl in den Küstengebieten im Süden und in den südwestlichen und nordwestlichen Gebieten, die hauptsächlich singhalesisch sind, als auch in dem hauptsächlich tamilischen Norden. Es war für die Schüler in diesen Gebieten ein großer Vorteil, dass die Unterrichtsprache Englisch war, denn dadurch hatten sie Aussicht auf staatliche Jobs oder konnten im Ausland weiter studieren. Am meisten profitierten davon die Tamilen, da sie durch die nach dem Motto „teile und herrsche“ geführte Politik der Kolonialherren bei der Vergabe von Verwaltungsjobs etc. besonders bevorzugt wurden. Aber auch eine Minderheit der Singhalesen, die besonders mit den Regierenden kooperiert hatte, kam in den Genuss dieser Vorteile. Bis zu einem gewissen Grade konnte nach und nach aber auch „normales Volk“ von dem staatlichen Schulwesen profitieren. Als gegen Ende der 50er Jahre Kannangara das gesamte Schulsystem verstaatlichte und allen Bürgern freie Bildung ermöglichte, war der Prozentsatz der Analphabeten in Sri Lanka sehr gering (das trifft auch noch für heute zu), und Sri Lanka besaß eines der besten Schulsysteme in Asien (möglicherweise nur Japan unterlegen). Nur war ein Haken dabei: Singhalesisch wurde jetzt die Haupt-Unterrichtssprache in den Schulen und an den Universitäten und das Niveau der Bildung sank mit jedem Jahr mehr. Die meisten Tamilen lernten sowieso Englisch als zweite Sprache, denn Englisch fungierte zum größten Teil zwischen Tamilen und Singhalesen als Verständigungssprache. Neben dem Verlust der Privilegien, die die Tamilen unter Engländer genossen hatten, führten besonders die Bemühungen einiger Nationalisten, die singhalesische Sprache zur einzigen Staatssprache zu erheben, zur Spaltung zwischen Singhalesen und Tamilen. In den letzten zehn Jahren ist das Niveau sowohl in den Schulen als auch in den Universitäten so sehr gesunken, dass die Regierung sich bemüht, die Kenntnisse in Englisch und anderen Sprachen bei den Schülern wieder zu verbessern. Auch der Kriegszustand hat (zumindest indirekt) das Erziehungswesen Sri Lankas negativ beeinflusst. Es ist daher eine der dringlichsten Aufgaben, vor allem im Bereich des Schulwesens in Sri Lanka die Engstirnigkeit des Nationalismus zu überwinden und eine vernünftige, zukunftsorientierte Erziehungspolitik zu betreiben, insbesondere da sich in anderen, beispielsweise religiösen, Bereichen der Nationalismus (Singhalesisch-buddhistischer Prägung) nach 2004 verhärtete. Allerdings ist das nach britischem Vorbild ausgerichtete Schulsystem im Vergleich zu anderen Ländern mit ähnlichem Entwicklungsstand mustergültig. Es besteht allgemeine Schulpflicht vom sechsten bis fünfzehnten Lebensjahr, der Unterricht an staatlichen Schulen ist kostenfrei. Unterrichtssprachen sind Singhalesisch und Tamil. Englisch ist Pflichtfach. Die meisten Kinder zwischen 4 und 5 Jahren besuchen zunächst die Vorschule. Nach der Vorschule gehen sie für 5 Jahre in eine staatliche oder privat anerkannte Schule. Der Staat bezahlt offiziell jedem Kind eine Schulausbildung mit Schuluniform und Unterrichtsmaterial.  Die Regierung kontrolliert aber nicht effektiv wohin genau die Gelder fließen. Sie gehen zunächst an den Bildungsminister und versickern irgendwo im Ministerium. Vor allem im Osten und allgemein für die ländliche Gebiete ist dies sehr problematisch. Zudem spielt auch hier Korruption eine bedeutende Rolle. Fast alle Kinder, die eingeschult werden, erreichen die 5. Klasse – das sieht in vielen Entwicklungsländern ganz anders aus. Trotzdem brechen viele Kinder den Schulbesuch ohne Abschluss  vorzeitig ab; 1/3 verlassen die Schule, um für das Familieneinkommen mitzuarbeiten. In den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten im Norden und Osten haben jedoch immer noch Kinder keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Viele Schulgebäude wurden zerstört, längst nicht alle wurden wieder aufgebaut. Es gibt auch nicht genügend Lehrer.  Es leben noch immer rund 95.000 Menschen, die während des Bürgerkrieges aus ihren Dörfern geflohen waren, in Flüchtlingslagern, wo es keine Schulen für die Kinder gibt. (Stand 2011/2012)   Ähnlich unserer Gesamtschule können die Kinder aber auch bis Ende der 12. Klasse beschult werden. Die verbleibenden Kinder müssen nach der 11. Klasse eine Abschlussprüfung absolvieren.  Um weiterführende Klassen besuchen zu können, muss in den Hauptfächern eine bestimmte Punktezahl erreicht werden, vergleichbar mit dem Credit-Point-System in Deutschland. Die nächste Stufe führt zum A-Level = gehobenes Niveau, ähnlich dem Abitur. In dieser Stufe werden die vier Fächer Naturwissenschaften, Betriebswesen (Buchhaltung), Kunst und Mathematik intensiviert und abschließend geprüft. Nach bestandener Prüfung mit einem sehr guten Notendurchschnitt haben die Kinder die Möglichkeit, die Universität zu besuchen. Das  Schuljahr in Sri Lanka ist in drei Abschnitte unterteilt. Zweimal jährlich finden Prüfungen statt. Das Schuljahr dauert in den Klassen 1 bis 11 von Januar bis Dezember, in der 12. und 13. Klasse beginnt das Schuljahr im Mai. Die Schulnoten unterteilen sich im Wesentlichen in „ordinary pass" („ausreichend" oder „befriedigend"), „credits" („gut") und „distinction" („sehr gut"). Von je 100 Männern und Frauen können 91 lesen und schreiben. Die Analphabetenquote liegt bei nur 8%. In Deutschland zählen mehr als 14 Prozent der Erwerbsfähigen zu den sogenannten funktionalen Analphabeten (Studie der Universität Hamburg). Diese können nur einzelne Sätze, nicht aber zusammenhängende Texte lesen und schreiben (Vgl. Artikel der Zeit, 2011: 7,5 Millionen Deutsche sind Analphabeten ). Die Webseite www.welt-in-zahlen.de hingegen bestätigt Deutschland eine Analphabetenquote von 0,7% , China liegt bei 9,4%, Nepal bei 50%, Indien bei 38,8%, Indonesien bei 9,8% und  Sri Lanka bei 7,5%.  

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