Die Gründung von Draw a smile

Wie die Idee zu Draw a smile entstand 

Nach meinen Diplomprüfungen war ich innerlich ausgelaugt und leer. Das Studium hatte mich so viel Kraft gekostet und die Ungewissheit über die Zukunft stellte eine neue Belastung dar. Ich brauchte eine Auszeit und wollte Neues sehen - Das Leben wieder spüren, aufhören zu funktionieren und beginnen wieder zu sein.

Ich entschied mich spontan einen Backpackerurlaub in Sri Lanka zu machen und 23 Tage mit dem Rucksack ohne festen Schlafplatz diese Perle des Indischen Ozeans zu erkunden. Ich hatte mich informiert und wusste, dass ca. 20 Euro am Tag ausreichend sein würden (wenn man low-budget reist). Und so flog ich ziemlich unvorbereitet los.

Der erste Eindruck nach meiner Ankunft: Ein Urlaub in Sri Lanka, ist ein Abenteuer! Alles ist so ungewohnt, überwältigend.

Morgen am Strand 27.3.13

Die meisten Deutschen werden wohl zunächst einen Kulturschock erleben, wenn sie sich nicht in einer Pauschalurlaub-Anlage verschanzen.

Sri Lanka ist keine heile Welt in unserem Sinne, sondern Spannung pur.

Es ist laut und freundlich, schnell und entspannt zugleich.Aug 13 morgens um 7 Uhr Die Republik ist ein Entwicklungsland, das Einkommen vieler Familien liegt unter 150 € im Monat.

Die Straßen- und Schienennetze sind überlastet und in einem teilweise maroden Zustand. Zudem ist die Energieversorgung durchaus lückenhaft - was man an den häufigen Stromausfällen schnell selber erlebt….

ein Bus just next to the main road..Aug 13. No fence

Irgendwie geht zwar alles, aber halt oft mit Verspätung und nicht mit der gewohnten europäischen Zuverlässigkeit.

Ich fühlte mich immer noch gesteuert und getrieben, aber schon nicht mehr ganz so leer wie zu Beginn: Da ich auf dieser Reise eine Fremde in der Fremde und ganz auf mich allein gestellt war, musste ich aufmerksam und im Hier und Jetzt sein. In vielen Situationen war ich maßlos verängstigt bzw. überfordert und meine deutsche anerzogene Skepsis verunsicherte mich nur zu oft.

Mein intensivstes Erlebnis – alle anderen Eindrücke in den Hintergrund treten lassend war: Egal in welche Stadt ich kam und egal wie weit weg ich von der „Zivilisation“ war, ich erfuhr immer absolute Gastfreundschaft und die bedingungslose Bereitschaft mir zu helfen. Die Menschen zeigten Interesse und Offenheit und selbst wenn ich Geld für ihre Mühen anbot, verweigerten sie die Annahme. Es war ihnen ein ehrliches Anliegen, dass ich mich wohlfühle.eine Gastfamilie

Wie überrascht war ich, als mich in all den Städten, die ich besuchte, Kinder nach „school pencils“, fragten. Sie wollten auch gerne wissen woher ich komme und lachten, wenn sie meine Haare anfassten. Ihr Lächeln erfüllte mich und brachte mir mein Lächeln zurück, die letzte Leere und Angst schwand dahin.

Immer mehr Zeit teilte ich mit den Ceylonesen, schlief oft bei Familien und nicht mehr in Herbergen. Wieder und wieder reiste ich weiter - keine 3 Tage verbrachte ich, am gleichen Ort. Wie beeindruckt war ich von diesen Menschen, die mir noch beim Abschied ein von Herzen kommendes Lächeln mit auf den Weg gaben - nachdem sie ihr Haus und ihren „Kühlschrank“ mit mir geteilt hatten. Diese Leute haben mich, eine wildfremde Person einfach zu einem Teil ihrer Familie gemacht und ein zu Hause geboten. Einfach so und genauso einfach ist es!

Ich wurde in Familien eingeladen und aufgenommen, die in den Slums oder in irgendwelchen Hütten wohnten und es war eine Selbstverständlichkeit das Wenige was sie hatten mit mir zu teilen. Manche Nächte verbrachte ich mit den Kindern auf dem Boden der Hütte, da gar nicht genug Betten vorhanden waren.Kinder und ich

Ich ließ mir von ihrem Leben erzählen, zeigte Fotos von meiner Familie und meinen Freunden. Diskutierte über Politik und Religion, erfuhr so viel Neues und erlebte Toleranz, Offenheit und Güte.

Wieder und wieder ging ich in Supermärkte, kaufte Stifte und verteilte diese an bittende, lächelnde Kinder. Viele von ihnen fragten mich, warum ich denn als Frau Hosen trage und kicherten dabei.

Vor der Ankunft hatte ich schon eine gewisse Angst vor der Armut, dem Betteln, und dem „Abziehen“ gehabt. Diese verlor ich innerhalb der ersten 5 Tage. Eine wundervolle Lebenserfahrung!, Begegnungen und Hilfe ohne Vorbehalte annehmen können zu dürfen und das von Menschen, die im Vergleich zu uns oft nicht das Notwendigste haben.

Das brachte mich zum Denken… wie kann das sein? Wann haben wir in Deutschland verlernt jeden Moment zu leben, zu lachen und uns an den kleinen Dingen zu erfreuen? Glück und Zufriedenheit scheint kein Zustand mehr zu sein, sondern ein Ereignis. Obwohl wir doch alle Möglichkeiten dazu haben. Wieso ist gütiges Verhalten gegenüber „Fremden“ für uns so abwegig geworden? Jeder ist mit sich selbst seinen Ängsten und seinen „Problemen“ so beschäftigt, dass ihm diese Zeit zu fehlen scheint.am Strand von trincomalee mit Familie

Wenn ich den Sinn des Lebens, des Menschen, für mich definieren muss so bleibt mir als Essenz, dass wir dankbar sein müssen. Egal an was wir glauben und welche Ziele wir verfolgen, wir haben zur Aufgabe die Schöpfung des Lebens wahrzunehmen, zu ehren und zu feiern, indem wir es bewusst betrachten, zu seiner Verbesserung beitragen (indem wir einfach teilen) und der Welt offen begegnen.

Für mich die Schlussfolgerung: Wir können viel voneinander lernen.

Die letzten Tage verbrachte ich in Arugam Bay, im Bezirk Ampara, dem muslimischen Osten. Es regnete bei Ankunft. Ich war schon 19 Tage unterwegs und bekam in der Nacht nach Ankunft Fieber. Jetzt war ich so weit gekommen, alles war gut gegangen und nun Malaria, „Super“, dachte ich. So blieb ich in einem kleinen Hotel und wurde mit Essen und Tee versorgt. Ich verbrachte die Abende, wenn ich nicht erschöpft schlief, im Austausch mit Fazeel, dem Hotelmanager. Er bot mir an mit mir ins Krankenhaus zu fahren, besorgte Medikamente und nahm kein Geld dafür an (Er selbst lebt mit seiner Familie in den Slums von Pottuvil).

In vielen abendlichen Gesprächen sprach ich das Betteln der Kids nach Stiften an und Fazeel berichtete von der Problematik der Schulen in den etwas ländlicheren Gebieten ab ca. 8 km Entfernung. Als es mir nach drei Tagen besser ging, wollte ich mehr von den Verhältnissen in den Schulen erfahren.Al Mina Aug 13 (22)

So besuchte ich dann Al Mina, eine Schule mit 60 Kindern und 4 Lehrern, die 4 Klassen unterrichteten. Mein erster Eindruck: Wie können Lehrer und Kinder unter solchen Bedingungen lehren und lernen! Zwei Klassenzimmer in einem gestrichenen Rohbau. Kein fließendes Wasser, die Kinder haben keine Trinkflaschen, keine Stifte, keine Schuhe, keine Bücher, keine Schultaschen,… Viel zu niedrige Stühle und Tische, die auseinanderfallen. Und nichtsdestotrotz viele lächelnde, neugierige, aufmerksame, entspannte Kindergesichter. Einige freuten sich, weil sie dachten, ich sei gekommen, um Englisch zu unterrichten.Al Mina Aug 13 (15a)

Ich sprach mit den Schulleitern, machte Bilder und Notizen und dachte mir sehr bald, dass wir mit verhältnismäßig geringem Aufwand die Situationen vor Ort verbessern könnten. Die Idee von Draw a Smile wurde frei gesetzt und nun treten wir als „geordneter“, gemeinnütziger Verein auf.

Eure Susanne

susanne